Mittwoch, 24. März 2010
Florence
Ein Lächeln, ein kurzes Nicken. Florence, so will ich sie nennen,sehe ich seit ein paar Wochen morgens im Zug. Sie hatte diese unglaublichen Dreadlocks und einen Blick der mehr sagt als alle Poesie dieser Welt. Nach ein paar Tagen haben wir uns begrüßt und auch beim Aussteigen verabschiedet. Und obwohl wir noch kein richtiges Wort miteinander gesprochen haben gibt es diese Vertrautheit. Ein schönes Gefühl. Die Erwartung morgens ihren suchenden Blick zu treffen, ihr Lächeln.
Vier Tage später sitze ich so verschnieft und müde und fertig im Zug. Da kommt sie rein und haut mich mit ihrem strahlenden Lachen absolut um. Ich bin völlig verlegen und traue mich nicht ein Gespräch anzufangen. Beim Aussteigen winkt sie mir noch zu. Wahnsinn.
Träume ich nur vor mich hin in meinem Paralleluniversum? Ist es Melancholie? Dieses portugiesische Lebensgefühl voller Wehmut, Hoffnung und Portwein.
Auch wenn ich in ihr nur die sehe, die ich zu sehen wünsche, ist es doch eine wahre Empfindung.
Zu selten dass ich Florence noch sehe. Sie hat ihre Haare jetzt schwarz gefärbt mit einem irren Kupferschimmer. Da kommt Ihr Lächeln noch aufregende rüber und haut den Adrenalinspiegel hoch.
Vorbei und fast schon vergessen, Florence. Sie ist einfach weg, ohne Abschied.
Hundstage sind das jetzt mit Vuvuzela Gedröhne gespickt.
Der Traum heute nacht war das Zeichen. Maria Segadors Zeit ist gekommen. Das Schwert des Kalifen liegt bereit.
Schnick schnack schnuck. Da geht den Kreuzrittern so richtig spätexpressionistisch die Düse.
Hört ihr nicht das entsetzliche Schreien ringsum, das man gewöhnlich die Stille nennt? Kaspar Hauser hat das so beschrieben.
Vom kommenden Aufstand hat er nichts gewusst. Auch Maria Segador hat er nie gesehen.
Jetzt sind die Drachenreiter wieder unterwegs. Es wird Feuer und Schwefel vom Himmel regnen.
Der Tag der Entscheidung ist nahe. Erntezeit.
Noch 29 Tage.

... link (0 Kommentare)   ... comment